IMMH

21. August 2017

Unterwasserarchäologie bei Helgoland

Das Internationale Maritime Museum Hamburg unterstützt die Unterwasserarchäologie: Nach über 100 Jahren untersuchen Forscher vier versenkte Schiffe in der Nordsee.

Kleiner Kreuzer SMS Ariadne (Foto: Sammlung Deutscher Marinebund)

Die Wracks des Seegefechts bei Helgoland von 1914

Es war der 28. August 1914, der für vier Schiffe der Kaiserlichen Marine zum Verhängnis wurde. Der Erste Weltkrieg dauerte gerade knapp vier Wochen, als es nahe Helgoland zum ersten größeren Seegefecht zwischen der deutschen und der britischen Flotte kam. Für die Kaiserliche Marine war es ein Desaster. Während die Briten keine Schiffsverluste erlitten, kostete das Gefecht die Deutschen die drei Kleine Kreuzer SMS Mainz, SMS Cöln und SMS Ariadne sowie das Torpedoboot V 187. Weitere deutsche Schiffe waren zum Teil schwer beschädigt worden; 1240 deutsche Seeleute hatten ihr Leben verloren, waren verwundet worden oder in Gefangenschaft geraten. 103 Jahre ruhten die in bis zu 43 Metern Tiefe liegenden Wracks unerforscht auf dem Meeresgrund. Jetzt gab es eine erste wissenschaftliche Expedition zu den Untergangsstellen unter Leitung des Kieler Unterwasserarchäologen Dr. Florian Huber. „Diese Schiffe sind wie eine Zeitkapsel. Sie können uns viel über den Verlauf des Gefechts und die damalige Zeit erzählen“ erklärt Huber die Gründe für den Tauchgang. Bei ihren Untersuchungen hatten die Wissenschaftler mit widrigen Bedingungen zu kämpfen: „Die unruhige See, die starke Gezeitenströmungen und Sichtweiten unter zwei Metern haben uns die Arbeit unter Wasser nicht ganz leicht gemacht“, berichtet Huber.

Gemeinsam mit seinem Team aus Forschungstauchern der Kieler Firma „Submaris“ hat Huber in der vergangenen Woche eines der versenkten Schiffe eindeutig als SMS Ariadne identifizieren können. Er und seine Taucher konnten die genaue Position und Lage feststellen sowie Foto- und Videoaufnahmen von dem Wrack machen.

Mit dem Traditionssegler „Gloriana of Faversham“ sowie dem Speedboot „Klein Otto“ geht es zu
den Untergangsstellen (Foto: Uli Kunz)

Untergegangen und vergessen?

Der im Jahr 1900 in Bremen vom Stapel gelaufene Kleine Kreuzer SMS Ariadne war 105 Meter lang, zwölf Meter breit und hatte eine rund 260 Mann starke Besatzung. Im Gefecht vor Helgoland war die Ariadne nach schweren Beschuss durch britische Schlachtkreuzer schließlich gesunken, wobei 64 Besatzungsmitglieder starben. Am Wrack in über 40 Metern Tiefe angekommen, stellten die Forschungstaucher fest, dass die zwei bronzenen Schiffschrauben fehlen. „Abmontiert. Vermutlich aufgrund des Metallwerts“, sagt Huber, der jegliche Art des Schatztauchens aufs Schärfste verurteilt. Seinen archäologischen Forscherdrang weckte ein hölzerner Loskiel. Dabei handelt es sich um eine unter dem Kiel eines Schiffes angebrachte starke Holzplanke, die zum Schutz des Schiffsrumpfes vor Beschädigung bei Grundberührung dient. „Ein solcher Kiel ist ungewöhnlich für ein Schiff der Kaiserlichen Marine. Selbst Marinehistoriker waren überrascht, dass ein stählernes Schiff wie die Ariadne einen hölzernen Kiel besitzt,“ berichtet Huber. Die Frage ist nun, warum die Ariadne einen Loskiel hatte: „Da werden wir nochmal in den Bibliotheken und Archiven recherchieren.“

Multibeam-Aufnahme des Wracks der SMS Ariadne (Foto: Jacobs University)

Die Unterwasserarchäologie: eine Goldgrube der Geschichte

Die Expedition vor Helgoland zeigt, dass die noch recht junge Disziplin der Unterwasserarchäologie mitunter überraschende Einblicke und Erkenntnisse ermöglicht. „Auch auf Ereignisse über die man fast alles zu wissen glaubte, können archäologische Funde ein neues Licht werfen,“ betont Huber. Über 10.000 Schiffe sind laut der UN-Kulturorganisation Unesco weltweit während des Ersten Weltkriegs gesunken. „Bei diesen Wracks handelt es sich um sehr komplexe archäologische Fundstellen und bedeutende historische Quellen“, sagt Huber. Sie stammen aus unterschiedlichen Nationen, liegen in verschiedenen Wassertiefen und repräsentieren eine Vielzahl an Schiffstypen und Bauarten. „Viele von ihnen zeigen den hohen Stand der Technik des 20. Jahrhunderts auf. Sie sind Zeugen einer der größten Konflikte der jüngeren Geschichte. Zugleich ermöglicht die Unterwasserarchäologie eine fächerübergreifende Zusammenarbeit. Aufgrund unserer Erkenntnisse können wir zusammen mit den Marinehistorikern darangehen, die damaligen Ereignisse aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.“

Die diesjährigen Untersuchungen vor Helgoland waren der Auftakt eines langfristig angelegten Projekts. Für das nächste Jahr sind bereits weitere Tauchgänge an den anderen Wracks geplant, die seit dem Seegefecht im August 1914 unerforscht auf dem Grund der Nordsee liegen – und Stück für Stück verfallen. „Neben der Bewahrung und wissenschaftlichen Erforschung dieser Fundstellen ist es deshalb wichtig, ein öffentliches Bewusstsein für dieses sensible Thema zu schaffen. Der Schutz dieser Fundplätze unter Wasser – auch vor Raubtauchern – ist zudem wesentlich, um an die Schrecken des Krieges und dessen Geschichte zu erinnern“, betont der 41-Jährige Unterwasserarchäologe.

Das Internationale Maritime Museum Hamburg freut sich auf weitere Erfolge der Archäologen und auf die Möglichkeit, diese in Zukunft der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

 

Unterstützt wird das interdisziplinär angelegte archäologische Projekt unter anderem vom Deutschen
Marinebund, dem Museum Helgoland, dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg, der Jacobs University Bremen, der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie e.V. (DEGUWA) sowie dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

4. August 2017

Familienaktion: Chinas Schätze entdecken und erleben

Im Internationalen Maritimen Museum einen entspannten Familientag erleben und in der großen Sonderausstellung „East meets West“ Chinas Schätze entdecken: Das Museumsteam freut sich auf alle kleinen und großen Besucher und bietet Familien ein exklusives Erlebnis-Paket an.

+++ EXKLUSIVES ERLEBNIS-PAKET FÜR FAMILIEN +++ Eintritt in das Internationale Maritime Museum Hamburg für die ganze Familie (2 Erwachsene und max. 4 Kinder), Teilnahme am Mal-Wettbewerb auf Deck 1, 1 Begleitbuch zur Ausstellung „East meets West“.

Unsere China-Ausstellung ist seit ihrer Eröffnung Anfang Juni das Highlight im Museum. Gerade Kindern macht es Spaß, die Schätze, die aus zwei Wracks vor der chinesischen Südküste geborgen wurden, zu entdecken. Echtes Gold und Silber, Fabeltiere auf kunstvoll bemaltem Porzellan und alte Krüge, die hunderte von Jahren auf dem Grund des Meeresbodens lagen, regen gerade bei den kleinen Besuchern die Phantasie an. Und weil Kinder Kunst nicht nur sehen möchten, sondern selber kleine Künstler sind, lädt das Museum alle ein, ein Bild mit Chinas Schätzen zu malen. Alle werden auf Deck 1 ausgestellt und die schönsten Bilder mit einer kleinen Überraschung prämiert.

Die Ausstellung „East meets West – Maritime Seidenstraße im 13. bis 17. Jahrhundert“ entstand in Kooperation mit dem Guangdong Museum und zeigt erstmals in Europa über 100 wertvolle Exponate aus fünf Jahrhunderten.

Im Zentrum stehen Funde von den Schiffswracks „Nan Hai No.1“ und „Nan Ao No.1“, die vor der südchinesischen Küste geborgen wurden. Beide Handelsschiffe waren entlang der „Maritimen Seidenstraße“ unterwegs. Ihre Fracht bestand hauptsächlich aus Porzellan, Keramik und Metallwaren. Aber auch viele persönliche Gegenstände konnten geborgen werden, darunter Schmuckstücke wie eine filigrane Goldkette, goldene Armreife und Fingerringe oder Steinstatuen der „Göttin des Mitgefühls“. Außerdem bargen die Archäologen aus einem der Wracks mehr als 20. 000 Münzen, 30. 000 Perlen, Goldbarren und Schriftstücke.

Coupon:

Ausdrucken oder an der Kasse im Handy zeigen.

Exklusives Erlebnis-Paket für Familien:

Eintritt in das Museum für die ganze Familie (2 Erwachsene und max. 4 Kinder), Teilnahme am Mal-Wettbewerb auf Deck 1, plus ein Begleitbuch zur Ausstellung pro Familie für insgesamt € 30,00 gegen Vorlage des oben abgebildeten Familien-Gutscheins. Der Gutschein kann auch an der Museumskasse erworben werden.

 

Die Aktion gilt ab sofort bis zum 30.08.2017.